Vollständiges Transkript (Deutsch)
Das Gespräch wurde auf Slowakisch aufgezeichnet; dies ist eine deutsche Übersetzung von Kraftvertising. Das Ausgangstranskript weist darauf hin, dass die Sprecherwechsel aus dem Kontext erschlossen wurden; auf dieser Grundlage werden die Fragen Martin Brath und die Antworten Peter Kolesár zugeordnet. Anmerkungen in eckigen Klammern kennzeichnen Formulierungen, Namen oder ganze Passagen, die in der Quelle als unklar, unvollständig oder widersprüchlich markiert sind – darunter eine Jahreszahl, die einer anderen Datumsangabe in derselben Antwort widerspricht. Die Folge wurde am 28. Oktober 2025 veröffentlicht und dauert 55 Minuten.
Diplomatie als Kindheitstraum
Martin Brath: Herzlich willkommen an alle. Bei mir ist Peter Kolesár, Partner bei Civitta Slovakia, Mitorganisator der Startup Awards Slovakia und Experte für das slowakische Startup-Ökosystem. Peter, willkommen.
Peter Kolesár: Vielen Dank für die Einladung.
Martin Brath: Ich würde mit deinen Anfängen beginnen. Du hast deine Karriere als Diplomat begonnen und bist nach Brünn gegangen, um internationale Beziehungen zu studieren. Warum Brünn und warum internationale Beziehungen?
Peter Kolesár: Diplomatie war mein Kindheitstraum. Etwa seit meinem 14. oder 15. Lebensjahr, so weit ich mich zurückerinnern kann, interessierte ich mich für Politik, internationale Politik und Diplomatie. Ich wollte immer Diplomatie studieren.
Damals gab es einen regelrechten Begeisterungsschub für Brünn. Es war 2000, als ich mich an der Masaryk-Universität bewarb, und viele Slowaken gingen dorthin, darunter zahlreiche Klassenkameraden von mir.
Der Ruf der Universität und die Tatsache, dass so viele Klassenkameraden vom Alejová-Gymnasium in Košice dorthin gingen, machten es zu einer ganz natürlichen Wahl. Wir hatten dort einen fantastischen Freundeskreis. Das waren einige der schönsten Jahre meines Lebens.
Ich studierte internationale Beziehungen und Europastudien, mit einigen Aufenthalten an ausländischen Universitäten dazwischen. Diplomat zu werden war das Ziel, aber direkt nach der Universität klappte es nicht. Zunächst verbrachte ich fünf Jahre bei einer Public-Affairs-Beratung in Bratislava.
Dann ergab sich eine Gelegenheit: Zum ersten Mal öffnete das Außenministerium Stellen für Wirtschaftsdiplomaten für externe Bewerber, also Menschen von außerhalb des Ministeriums. Ich sah meine Chance, bewarb mich und wurde ausgewählt. Wir zogen als Familie nach Tel Aviv.
Israel 2011: die Jahre der Startup-Nation
Martin Brath: Israel war also dein erster Einsatzort. Wie sah das israelische Startup-Ökosystem damals aus? War das die Zeit, als die Begeisterung für Israel als „Startup-Nation“ aufkam?
Peter Kolesár: Genau. Es war die Zeit, in der es Israel gelang, über das Narrativ eines vom Konflikt geprägten Landes hinauszukommen. Wir zogen 2011 dorthin, und immer häufiger wurde darüber als Epizentrum der Innovation gesprochen: ein Ort, der milliardenschwere Startups hervorbringt, an dem große VC-Fonds investieren und nach Investitionsmöglichkeiten suchen.
Das war spannend, diese ganze Begeisterung rund um die Startup-Nation. Natürlich hatte ich mich vorher gründlich eingelesen.
Das bekannteste Unternehmen war damals Better Place, an das sich viele heute nicht mehr erinnern. Sie sammelten $900 Millionen ein und entwickelten eine Infrastruktur für Elektrofahrzeuge, bei der die Batterien ausgetauscht statt aufgeladen wurden. Dann gingen sie bankrott.
Aber das ist für diesen Punkt im Grunde unerheblich. Entscheidend war, dass es viele Menschen dazu motivierte, sich für Israel zu interessieren und mit israelischen Universitäten und Unternehmern zusammenzuarbeiten. Es ermutigte auch junge Israelis, Unternehmertum, insbesondere Technologieunternehmertum, als vielversprechenden Berufsweg zu betrachten.
Das war das Israel, in dem ich ankam. Ich muss sagen, es erfüllte alles, was ich gelesen hatte, und das wurde mein wichtigstes Arbeitsgebiet.
Leben in Tel Aviv
Martin Brath: Wie war das Leben in Israel?
Peter Kolesár: Ausgezeichnet. Wir zogen mit unserem kleinen Sohn dorthin, der eineinhalb Jahre alt war.
Tel Aviv ist eine sehr angenehme Stadt zum Leben. Wir wohnten in der Botschaft, relativ nah am Strand, vielleicht 500 oder 600 Meter entfernt. Die Promenade erstreckt sich über viele Kilometer – fünf bis acht Kilometer –, und man kann dort das ganze Jahr über spazieren gehen.
Die Atmosphäre in Tel Aviv ist wunderbar, deshalb war das Leben dort großartig. Viele Familienangehörige und Freunde besuchten uns. Unsere Tochter wurde ebenfalls dort geboren, kurz bevor wir abreisten.
Wir verbinden wunderschöne Erinnerungen mit Israel. Unsere Tochter wird in ihrem Pass immer Tel Aviv als Geburtsort stehen haben. Ich glaube, Israel wird in unseren Herzen immer als ein wichtiger Abschnitt in meinem Leben und dem meiner Frau bleiben, auch wegen unserer Kinder.
Was ein Wirtschaftsdiplomat tatsächlich bewirken kann
Martin Brath: Welche Instrumente oder welchen Einfluss hattest du als Wirtschaftsdiplomat in Tel Aviv?
Peter Kolesár: Generell hängt es bei einem Wirtschaftsdiplomaten – nicht nur in Tel Aviv, sondern unabhängig vom Einsatzort – davon ab, ob die Rolle mit einer anderen Funktion verbunden ist.
Die slowakische Diplomatie verfügt über begrenzte Ressourcen, deshalb wird Wirtschaftsdiplomatie oft mit konsularischen Aufgaben, der Funktion des stellvertretenden Botschafters oder anderen Zuständigkeiten kombiniert. Das macht es schwierig, weil für die Wirtschaftsdiplomatie möglicherweise kaum Zeit übrig bleibt.
In Israel ist das eine eigenständige Funktion, und dasselbe gilt für Washington. Das bedeutet, dass sehr viel davon abhängt, was der Einzelne daraus macht.
Man kann einfach auf eingehende Anfragen aus der Zentrale oder von Unternehmen reagieren und versuchen, allem nachzukommen, was hereinkommt. Oder man kann die Agenda aktiv gestalten.
Natürlich wollte ich sie aktiv gestalten, sowohl in Tel Aviv als auch später in Washington. Was mich in Israel am meisten interessierte, waren der Unternehmergeist, Technologieunternehmertum und Innovationspolitik.
Ich versuchte, bekannter zu machen, wie Israel, insbesondere der öffentliche Sektor, Innovationen und Startups unterstützt: wie das öffentliche Inkubatorensystem funktioniert, wie viel Geld hineinfließt und wie es konzipiert ist.
Ich versuchte, möglichst viele Amtsträger, Universitätsvertreter und Geschäftsleute nach Israel einzuladen, damit sie es selbst sehen konnten, und Israelis mit der Slowakei zu vernetzen.
Die verfügbaren Instrumente hängen von der eigenen Kreativität als Wirtschaftsdiplomat ab. Natürlich verfügt die slowakische Diplomatie im Vergleich zu Ländern wie Tschechien, Italien oder den Niederlanden, deren Diplomaten sehr aktiv sind, über begrenzte Ressourcen.
Das bedeutet, dass man noch kreativer sein muss. Es hängt wirklich von persönlicher Initiative und Einsatz ab. Viele Diplomaten sitzen am Ende da und warten darauf, was hereinkommt. Aber das liegt an jedem von uns – oder jedem von ihnen. Letztlich ist das wohl überall so, besonders in der öffentlichen Verwaltung.
Washington und gelenkte Zufälle
Martin Brath: Was war anders, als du nach Washington gezogen bist? Was war der größte Unterschied zwischen Israel und den USA?
Peter Kolesár: [Der Anfang der Antwort scheint zu fehlen. Die Quelle wiederholt die Frage des Moderators mehrmals, bevor sie hier fortsetzt.]
…wohin wir auch Menschen aus der Slowakei und den USA einluden, um sie miteinander zu vernetzen. Daraus entstanden viele interessante Kooperationen, und einige Menschen kehrten in die Slowakei zurück, wozu wir vielleicht einen kleinen Beitrag geleistet haben.
Bei der Arbeit mit slowakischen Fachkräften kann man nicht alles vorhersehen oder arrangieren. Man muss das richtige Umfeld und die Bedingungen schaffen, damit gute Dinge geschehen können.
Das nennen Amerikaner „gelenkte Zufälle“. Der Zufall spielt weiterhin mit, aber man kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine zufällige Begegnung zu etwas Gutem für das eigene Heimatland führt.
Mit slowakischen Startups ins Silicon Valley
Martin Brath: Über die Startup Awards schickt ihr Startups auch in die USA, ins Silicon Valley. Bringst du Wissen oder Erfahrungen aus dieser Zeit in diese Arbeit ein?
Peter Kolesár: Ja. Von Anfang an, seit 2011, gehörte zu den Startup Awards eine Komponente internationaler Zusammenarbeit oder eines Auslandsaufenthalts.
Anfangs finanzierte SARIO das, und es war ein dreimonatiger Aufenthalt. Heute müssen wir sehr hart daran arbeiten, das Geld aufzutreiben, entweder von ehemaligen Teilnehmern der Startup Awards – was interessant ist, weil sie jetzt zur nächsten Generation beitragen – oder von Unternehmen, die die Reise unterstützen möchten.
Letztes Jahr – oder eigentlich dieses Jahr, im März – waren wir mit Startups im Silicon Valley. Natürlich nutzen wir bei der Planung der Reise die Kontakte, die ich sowohl an der Ost- als auch an der Westküste aufgebaut habe.
Wir treffen noch immer viele Menschen aus meiner damaligen Zeit dort, haben seitdem aber auch viele neue Kontakte geknüpft.
Eine wichtige Partnerorganisation ist SlovakPro, der Verband slowakischer Fachkräfte im Ausland, in diesem Fall besonders in der Bay Area. Er wird von Michal „Mušo“ Šimkovič geleitet, dem derzeitigen Präsidenten von SlovakPro, der sehr gut vernetzt ist.
Sie helfen uns enorm dabei, die Woche für die Startups so wertvoll wie möglich zu gestalten. Die Rückmeldung der Startups war, dass es extrem anspruchsvoll war, ihnen aber auch sehr viel Freude gemacht hat.
Vom Ministerium zu Neulogy
Martin Brath: Du hattest also den Kindheitstraum, Diplomat zu werden, aber irgendwann hast du entschieden: „Jetzt reicht es.“ Du bist in die Slowakei zurückgekehrt und hast bei Neulogy ein neues Kapitel begonnen.
Warum hast du diese Entscheidung getroffen? Welche Gefühle spielten dabei mit, diese Laufbahn zu beenden – oder vielleicht nicht ganz zu beenden? Wie hast du das gesehen?
Peter Kolesár: Damals sah ich es als Ende oder Unterbrechung dieser Laufbahn. Als wir aus Washington zurückkehrten, kamen mehrere Faktoren zusammen.
Die Familie war ganz sicher sehr wichtig. Auf eine Stelle in der Zentrale des Außenministeriums zurückzukehren und dann in zwei, drei oder vier Jahren wieder aufzubrechen, mit zwei kleinen Kindern und einer Frau, die bis dahin wieder im Beruf wäre – das konnten wir uns gemeinsam nicht wirklich vorstellen.
Nachdem ich Tel Aviv und Washington bereits erlebt hatte, gab es für mich in Bezug auf Innovationen und Startups auch kein weiteres offensichtliches Wunschziel. Vielleicht einige asiatische Länder, aber wir entschieden, dass wir etwas mehr Stabilität brauchten.
Deshalb verließ ich das Ministerium. Zugleich war Neulogy damals der größte Akteur in der Slowakei, wenn ich im Bereich Innovationen und Startups arbeiten wollte, einem Thema, das mir am Herzen liegt.
Als Wirtschaftsdiplomat hatte ich bereits sehr enge Beziehungen zu Menschen bei Neulogy aufgebaut, darunter Petra Lipnická und Ivan Štefunko. Es fühlte sich ganz natürlich an, dass es Neulogy sein würde, wenn ich in die Privatwirtschaft wechselte. Ich konnte diese Dinge weiterhin beeinflussen, aber von der Unternehmensseite aus.
Der Kulturschock, Gehälter zahlen zu müssen
Martin Brath: Was war in Bezug auf den Druck anders? Plötzlich hattest du Mitarbeiter, die dir unterstellt waren, was du vorher meines Wissens nicht hattest, und andere Erwartungen. Wie hast du diese Zeit erlebt?
Peter Kolesár: Das ist ein grundlegender Unterschied. Für jeden, der aus der öffentlichen Verwaltung in die Wirtschaft wechselt, insbesondere in eine Funktion, in der man dafür verantwortlich ist, Projekte und Einnahmen ins Unternehmen zu holen und die Gehälter der Menschen zu bezahlen, ist es ein absoluter Kulturschock.
[Der Übergang zurück zur Beschreibung der Arbeit im öffentlichen Sektor ist in der Quelle unvollständig.] Die öffentliche Verwaltung kann in vielerlei Hinsicht frustrierend sein, aber das Gute ist, dass das Geld auf dem Konto ankommt. Man muss sich auch keine Sorgen machen, ob die Kollegen oder unterstellten Mitarbeiter bezahlt werden.
In der Privatwirtschaft ist das nicht so, besonders wenn man ein Unternehmen führt, und bei Neulogy war das ganz sicher nicht so.
Ich kam in einer Zeit, die geschäftlich nicht einfach war. Die ersten zwei Jahre – im Grunde drei – waren sehr schwierig. Wir mussten das Geschäft etwas diversifizieren und herausfinden, woher das Geld für Gehälter kommen sollte und welche Arten von Projekten wir akquirieren sollten.
Ich musste mich neu ausrichten: Das Geschäft musste Vorrang haben. Einnahmen ins Unternehmen zu bringen ging vor allem anderen.
Das brauchte Zeit. Es ist ein Kulturschock, aber ich würde jedem in der öffentlichen Verwaltung diese Erfahrung wünschen.
Mehr zuhören als reden
Martin Brath: Wie hast du dich dabei weiterentwickelt? Du musstest dich neu ausrichten, besser werden und vermutlich neue Fähigkeiten erwerben. Wie bist du das angegangen?
Peter Kolesár: Rückblickend würde ich manche Dinge heute sicherlich schneller machen. Ich würde weniger zögern, und in vielerlei Hinsicht hätte es einfacher oder zumindest weniger kompliziert sein können.
Ich habe viel mit Menschen gesprochen, die mehr Erfahrung hatten. Das ist etwas, das ich auch heute noch allgemein anzuwenden versuche: viel zuhören.
Ich versuche, weniger zu reden, wenn ich jemanden treffe oder an einer Besprechung teilnehme, und mehr zuzuhören. Das bringt mir viel mehr, als jemandem von mir oder meiner Arbeit zu erzählen. Anderen Fragen zu stellen und von ihnen zu lernen ist produktiver.
Das habe ich damals gemacht. Ich habe auch aus Fehlern gelernt. Leider habe ich viele Dinge schlecht oder zu spät gemacht, Fehler begangen und weiß heute, dass ich sie anders angehen würde.
Aber das Grundprinzip lautet: Menschen finden, die weiter sind als man selbst, fähiger oder weiser, viele Fragen stellen und mehr zuhören als reden. Ich versuche noch immer, mich daran zu halten, zumindest bis zu einem gewissen Grad.
Zehn Jahre bei Neulogy und Civitta – und der Abschied
Martin Brath: Nach 10 Jahren scheidest du jetzt als Partner aus. Wie fühlt sich das an? Was liegt vor dir? Gibt es Unsicherheit, oder ist es eine Erleichterung?
Peter Kolesár: Zu einem großen Teil ist es eine Erleichterung.
Die Geschichte von Neulogy ist in vielerlei Hinsicht interessant. Es begann 2017 als spezialisierte Innovationsberatung. [Jahreszahl wie transkribiert; dies widerspricht der folgenden Angabe zum Einstieg 2016.] Ich kam Anfang 2016 dazu.
Das Unternehmen veränderte sich schrittweise. 2019 schlossen wir uns Civitta an, einer viel größeren Firma mit Hauptsitz in Estland, die inzwischen in 22 Ländern weltweit tätig ist.
Aus einer kleinen spezialisierten Beratung wurde ein Teil eines großen Netzwerks. Auch in der Slowakei wuchs das Unternehmen erheblich – für eine Beratungsfirma, denke ich, ziemlich beträchtlich.
Es wurde wesentlich internationaler, was unsere Projekte, die Konsortien, in denen wir arbeiten, und die Arbeit der Menschen in der Slowakei angeht. Die meisten unserer Leute in der Slowakei arbeiten auch an internationalen Projekten mit Kollegen aus Estland, der Ukraine und Litauen. Bei einigen unserer Projekte arbeiten auch Berater aus dem Ausland mit.
Das war eine große Veränderung und eine wichtige Lernerfahrung, nicht nur für mich, indem ich von anderen Partnern in ähnlichen Funktionen lernte, sondern auch für unsere Berater.
Gleichzeitig wurde das Unternehmen, vielleicht unausweichlich mit dem Wachstum, stärker zentralisiert. Die lokalen Niederlassungen haben immer weniger Eigenständigkeit. Das erfordert einen bestimmten Führungsstil und Anpassung.
Nach 10 Jahren entschied ich, dass es Zeit für eine Veränderung war. Ich habe mich immer als unternehmerisch veranlagt gesehen und hatte das Gefühl, diese Seite von mir außerhalb von Civitta vielleicht besser verwirklichen zu können.
Das waren meine Überlegungen. Zehn Jahre sind auch die längste Zeit, die ich je in einer Organisation verbracht habe. Es war also eine natürliche Kombination aus Ermüdung und dem Wunsch, in ein anderes Umfeld einzutauchen, mit anderen Menschen zu arbeiten und in einer neuen Umgebung wieder zu lernen.
Nach einer langen Phase des Nachdenkens und der Gespräche mit der Geschäftsleitung führte all das zu meiner Entscheidung, schrittweise bei Civitta auszuscheiden.
Jetzt überlege ich, wie ich die gewonnenen Erfahrungen nutzen kann und welche Richtung ich einschlagen möchte.
Die Schnellfragerunde
Martin Brath: Machen wir eine kurze Schnellfragerunde. Kurze Fragen und die erste Antwort, die dir in den Sinn kommt.
Martin Brath: Produkt oder Dienstleistung?
Peter Kolesár: Produkt.
Martin Brath: Hart arbeiten oder klug arbeiten?
Peter Kolesár: Klug.
Martin Brath: Auto oder Zug?
Peter Kolesár: Auto.
Martin Brath: Buch oder Podcast?
Peter Kolesár: Podcast.
Martin Brath: Košice oder Bratislava?
Peter Kolesár: Košice.
Martin Brath: Talente im Land halten oder Menschen zur Rückkehr ermutigen, nachdem sie im Ausland Erfahrungen gesammelt haben?
Peter Kolesár: Sie zur Rückkehr ermutigen, nachdem sie im Ausland Erfahrungen gesammelt haben.
Martin Brath: Wenn du morgen €1 Million deines eigenen Geldes in ein slowakisches Startup investieren müsstest, welches würdest du wählen?
Peter Kolesár: Wahrscheinlich Powerful Medical oder Brightpick. [Der zweite Name wird in der Quelle als „Bright Peak“ transkribiert.]
Martin Brath: Du würdest es also im Moment in Powerful Medical stecken?
Peter Kolesár: Ja.
Startup Awards auf dem Höhepunkt
Martin Brath: Kommen wir zu den Startup Awards zurück. Neulogy organisierte sie seit 2011, und du kamst 2016 dazu. Wie sahen die Startup Awards 2016 im Vergleich zu dem aus, was wir letztes Jahr erlebt haben?
Peter Kolesár: Letztes Jahr war insofern ähnlich wie 2016, als es ein groß angelegtes Format war.
2016, 2017 und 2018 nutzten wir einige der größten Veranstaltungsorte der Slowakei: Istropolis, das große Slowakische Nationaltheater und dann die Refinery Gallery.
Das Interesse war 2016 enorm. Es wurde auch im Fernsehen übertragen, was eine sehr teure, komplizierte Produktion bedeutete. Präsident Kiska war ein sehr aktiver Unterstützer und kam persönlich. Es herrschte eine unglaubliche Begeisterung.
Wir wussten auch, dass es im Ausland großes Interesse daran gab, an den Startup Awards teilzunehmen. Aber wir wollten es nicht bei einer Preisverleihung belassen, die einfach Startups auszeichnete.
Deshalb beschlossen wir, auch eine Technologiekonferenz zu organisieren: tagsüber eine Konferenz mit internationalen Spitzenreferenten und abends die Startup Awards. Damit begannen wir, und der Konferenzteil wurde später in FutureNow umbenannt.
Aber es wurde zu einem gewaltigen Unterfangen: Startups gewinnen, regionale Veranstaltungen in der ganzen Slowakei organisieren, ein Bootcamp durchführen, eine ganztägige Technologiekonferenz mit 10 bis 15 Spitzenreferenten auf die Beine stellen und dann abends ein im Fernsehen übertragenes Pitch-Finale.
Das ist für jedes Team eine enorme Belastung. Dafür braucht es wirklich ein professionelles Veranstaltungsteam. Wir machten es weiterhin neben allem anderen und versuchten, das Geschäft am Laufen zu halten, während wir das nebenher organisierten.
Bis heute verstehe ich nicht ganz, wie wir das geschafft haben. Na gut, ich verstehe es schon, weil ich jetzt etwas Ähnliches mache, aber es war wirklich Wahnsinn.
Wir begannen, nach einem strategischen Partner zu suchen. Allein genügend Geld aufzutreiben, um kostendeckend oder mit einem kleinen Verlust abzuschließen, dauerte ein halbes bis dreiviertel Jahr. In der Slowakei ist das zeitlich und energetisch unglaublich aufwendig.
Wir wollten einen strategischen Partner an Bord holen, der uns etwas Druck abnehmen würde. [Ein kurzer Übergang ist in der Quelle unvollständig.]
HB Reavis und HubHub verfolgten eine Strategie, in Coworking einzusteigen, das HubHub-Netzwerk aufzubauen und mit jungen Technologieunternehmen zusammenzuarbeiten. FutureNow und Startup Awards passten als Plattform dazu, die die physischen Räume um Inhalte ergänzen konnte.
Wir vereinbarten, dass HubHub bei den Startup Awards einsteigt und sie später ganz übernimmt. Für uns fühlte sich das wie die Krönung des Weges an: Die Awards und die Konferenz hatten endlich ein neues Zuhause, in dem sie sich unter einem viel stärkeren Partner weiterentwickeln konnten.
Wir übergaben das 2018 und 2019, und wir taten es gerne.
COVID, die Pause und der Neustart
Martin Brath: Aber dann kam COVID.
Peter Kolesár: Genau, und das ist für jede Veranstaltung verheerend. Gleichzeitig änderte HB Reavis seine Strategie in der Slowakei und in ganz Europa in Bezug auf HubHub und die Plattform. Die Veranstaltung verlagerte sich allmählich ins Internet und wurde schließlich ganz eingestellt.
Nach einer zwei- oder dreijährigen Pause kamen Investoren und Gründer auf uns zu: „Wollt ihr die Startup Awards nicht zurückbringen? Sie waren so wichtig für die Community. Es war die eine Veranstaltung, auf die sich alle freuten und zu der alle kommen wollten.“
Wir sagten: „Nein, nein, nein. Das wollen wir nicht. Das bringt uns wieder um, und dann sind wir genau dort, wo wir vorher waren.“
Aber nach etwa einem Jahr voller Gespräche nahmen wir Verhandlungen mit HB Reavis auf. Etwa zur gleichen Zeit kam Slovenská sporiteľňa auf uns zu und sagte: „Wenn ihr es wiederbeleben wollt, unterstützen wir euch als Partner.“
Mehrere Dinge kamen gleichzeitig zusammen. Ich finde, die Bank war sehr weitsichtig mit der Aussage, dass wir nicht nur die Veranstaltung, sondern die gesamte Plattform zurückbringen sollten, weil das allen helfen würde.
Die Gespräche mit HB Reavis waren hervorragend. Ich möchte mich auch hier bei diesen Menschen bedanken. Sie verstanden vollkommen, was wir tun wollten und warum wir es der Community zurückbringen wollten.
Es ist keine gewinnorientierte Veranstaltung. Wir machen das nicht, um Geld zu verdienen. Ganz im Gegenteil: Wir wollen Menschen für Unternehmertum und Startups mobilisieren und zugleich den vielversprechendsten Startups helfen, sichtbar zu werden und international zu expandieren.
Diese Kombination ermöglichte uns letztes Jahr den Neustart von SASK. Wir waren nervös. Wir hatten positive Rückmeldungen erhalten, wussten aber nicht, was die Menschen tatsächlich tun würden: ob wir gute Startups bekommen würden, ob genügend Leute kämen oder ob das Fernsehen mit uns zusammenarbeiten wollte.
Glücklicherweise waren wir lange im Voraus ausverkauft, und die Resonanz war sehr positiv. Was die Startups angeht, sah es im Grunde ähnlich aus wie 2015 oder 2016.
Dieses Jahr nehmen wir Veränderungen vor und überlegen ständig neu, wie wir es verbessern können. Wir wollen nicht, dass die Menschen es nur als Veranstaltung oder Preisverleihung sehen. Es sind nicht die Auszeichnungen Kristallflügel oder Slowakin des Jahres. Diese Abendveranstaltungen haben ihren Zweck, aber wir wollen eine ganz andere Richtung einschlagen.
Wir nutzen das Finale und den Galaabend, um Startups das ganze Jahr über unterstützen zu können. Das Finale ist der Höhepunkt und der sichtbarste Teil. Es hilft uns, Mittel einzuwerben, aber das Bootcamp, das einen Monat oder anderthalb Monate vorher stattfindet, ist für die Startups meist viel wertvoller als das Finale selbst.
Das ist unser Konzept, und wir überlegen immer weiter, wie wir es verbessern können.
Das Bootcamp im Vergleich zum Silicon Valley
Martin Brath: Wie vergleichst du das Bootcamp damit, Startups ins Silicon Valley zu schicken? Was hat deiner Meinung nach den größeren Wert für ein Startup?
Peter Kolesár: Erstens erreicht das Bootcamp mehr Gründer. Dieses Jahr haben wir 25 Unternehmen ausgewählt, also durchlaufen etwa 50 Gründer drei äußerst intensive Tage.
Für manche ist es die Hölle, für andere eine enorme Lernerfahrung. Sie treffen an einem Ort Menschen, für deren Begegnung sie sonst vielleicht zwei Jahre lang verschiedene Veranstaltungen besuchen müssten.
Dieses Jahr haben wir etwa 48 Mentoren: VCs, Gründer, die einen Exit hinter sich haben, erfolgreiche Gründer, die Unternehmen im dreistelligen Millionenbereich aufbauen, Leute aus großen Unternehmen und ehemalige Teilnehmer der Startup Awards. Spitzenleute aus der ganzen Region.
Die teilnehmenden Gründer verbringen mit ihnen Zeit im formellen Gruppenmentoring und in Einzelgesprächen, aber auch abends. Sie sprechen sie um ein oder zwei Uhr morgens an, um Dinge zu besprechen.
Dass alle in einem Hotel sind, ist großartig und für viele Menschen lebensverändernd. Wir hören diese Geschichten noch immer und versuchen, sie öffentlich zu teilen.
Rišo Malovič von Whalebone, einem enorm erfolgreichen tschechischen Unternehmen mit echtem Potenzial, ein globales Unternehmen zu werden, erreichte nicht einmal das Finale. Er war nur beim Bootcamp dabei, und jetzt ist er Mentor.
Er sagt noch immer, dass ihm das Bootcamp geholfen hat, seine ersten großen Kunden zu gewinnen, darunter O2, weil wir Peter Gažík von O2 als Mentor hatten. Er knüpfte auch weitere Kontakte, unter anderem zu seinem Hauptinvestor – ich glaube, es war Day One –, der ebenfalls als Mentor dabei war.
Es veränderte sein Startup-Leben. Dass er das Finale nicht erreichte, war unwichtig.
Martin Basila beschreibt es ähnlich als komprimiertes Hochschulstudium in Unternehmertum. Katka Šimková, heute bei [Unternehmensname in der Quelle unklar], die damals bei Staffino war, hat von ähnlichen Erfahrungen berichtet.
Wir sammeln diese Berichte, und jedes Jahr bestätigt sich, dass das Bootcamp Leben verändert. Wir widmen ihm enorme Aufmerksamkeit: Wir planen alles minutengenau und gestalten diese Interaktionen. Das funktioniert sehr gut.
Das Silicon Valley ist dagegen nur für die siegreichen Startups. Letztes Jahr gab es Gewinner in vier Kategorien und einen Gesamtsieger, der auch einer der Kategoriesieger war. Das bedeutete also acht Gründer.
Sie sollten bereits einen konkreten Grund haben, den US-Markt zu erkunden. Sie treffen potenzielle Kunden und große VCs. Es ist ein Einstieg in die weite Welt.
Oft wird ihnen klar, wie regional sie gedacht hatten. Sie wollten ein slowakisches oder mitteleuropäisches Unternehmen aufbauen, und plötzlich bekommen sie in Amerika einen Weckruf.
Fragen von Investoren, VCs und anderen Gründern, die Seed-Runden in Millionenhöhe einwerben, machen ihnen klar, dass sie groß denken müssen, wenn sie ein globales Unternehmen aufbauen wollen.
Sie müssen das alles einordnen. Für nicht jeden ist es sinnvoll, viel Geld aufzunehmen. Man kann aus eigenen Mitteln und schrittweise ein weltweit erfolgreiches Unternehmen aufbauen, vielleicht mit etwas Angel-Finanzierung.
Slido ist ein Beispiel: Es hat nie VC-Geld aufgenommen.
Sie müssen diese intensive Woche verarbeiten, entscheiden, welchen Weg sie einschlagen möchten, und die Kontakte aus dem Silicon Valley nutzen, um auf diesem Weg voranzukommen.
Mentoren, die ihre Anreise selbst bezahlen
Martin Brath: Wie überzeugt ihr die Mentoren, zum Bootcamp zu kommen? Ich nehme an, ihr bezahlt sie nicht.
Peter Kolesár: Das tun wir nicht. Wir übernehmen Unterkunft und Verpflegung, aber die Anreise bezahlen sie selbst, und das Mentoring machen sie unentgeltlich.
Viele – die meisten – haben Familien und kleine Kinder und opfern trotzdem ihr Wochenende. Manche schreiben: „Ich kann am Samstag von neun bis zwei kommen, dann habe ich etwas mit den Kindern, danach komme ich abends wieder und am Sonntag für ein paar Stunden.“ Sie bringen es mit ihren Verpflichtungen unter einen Hut.
In einem Jahr kamen Lucka und Šimon Šicko mit ihren Kindern. Ein Teil unseres Teams kümmerte sich um die Kinder, damit sie als Mentoren arbeiten konnten.
Das ist das Schönste: Die Menschen wollen wirklich helfen. Darum geht es beim Bootcamp.
Dieses Jahr mussten wir tatsächlich Mentoren absagen. Viele fragten, ob sie kommen könnten, aber wir hatten schon so viele, dass wir die Zahl begrenzen mussten. Das ist eine sehr gute Ausgangslage.
Wir haben VCs aus Prag, Warschau und Budapest. Alles findet auf Englisch statt, was ebenfalls einen Mehrwert schafft und die Startups erkennen lässt, dass sie auf Englisch arbeiten müssen, wenn sie ein internationales oder globales Unternehmen aufbauen wollen. Auch das ist für manche ein Weckruf.
Wir müssen die Mentoren nicht mehr überreden zu kommen. Wir haben eine sehr lange Liste und wählen die Menschen strategisch aus. Viele melden sich auch von sich aus, und leider müssen wir manche stattdessen für das folgende Jahr in Betracht ziehen.
Wie die Startups ausgewählt werden
Martin Brath: Ihr wählt gerade die nächsten Finalisten aus, beziehungsweise die Leute, die zum Bootcamp kommen. Welche Kriterien nutzt ihr bei diesem Auswahlprozess?
Peter Kolesár: Für die engere Auswahl – gewissermaßen das Halbfinale, also das Bootcamp – wählen wir 20 bis 25 Startups aus.
Wir berücksichtigen die üblichen Kriterien: wie lange das Unternehmen schon tätig ist, wie viel Geld es eingesammelt hat und welche Marktfortschritte es im Verhältnis zu dieser Finanzierung gemacht hat. Mehr Geld ist nicht einfach automatisch besser.
Wenn ein Unternehmen mit wenig Geld viel erreicht hat, seine ersten Kunden, vielleicht zahlende Kunden, gewonnen und tatsächlich etwas Sinnvolles validiert hat, wählen wir es möglicherweise eher aus als ein Unternehmen, das €800,000 eingesammelt hat, sich aber seit drei Jahren im Kreis dreht.
Eine Ausnahme wäre ein Deep-Tech-Startup, das wirklich erhebliches Kapital benötigt, bevor es etwas auf den Markt bringen kann.
Wir schauen uns die Gründer an. Was sind das für Menschen? Was haben sie gemacht? Sind sie in ihrem Fachgebiet glaubwürdig?
Zum ersten Mal verlangten wir von den Gründern, ein Video aufzunehmen. Dadurch bekommt man viel leichter ein Gefühl für sie, für ihre Fähigkeit, die Geschichte des Unternehmens zu erzählen, und dafür, ob sie diese klar verstehen.
Eine Auswahlkommission berücksichtigt all das. Wir bewerten die Unternehmen, erstellen eine Rangliste und diskutieren darüber.
Auch die Vielfalt der Lösungen ist uns wichtig. Wir wollen nicht drei sehr ähnliche Produkte. Wenn wir ein Agritech-Startup und zwei oder drei Recruiting-Plattformen haben, nehmen wir lieber das Agritech-Startup auf.
Wir wollen, dass fähige Gründerinnen vertreten sind, und berücksichtigen auch die regionale Repräsentation. Das sind weichere Kriterien.
Die verbindlichen Teilnahmebedingungen sind, dass das Unternehmen nicht mehr als €1 Million eingesammelt haben darf, einen slowakischen Gründer haben oder in der Slowakei registriert sein muss – also irgendeine Verbindung zur Slowakei – und mindestens ein MVP oder einen Prototyp haben muss.
Es sollte etwas geben, das sich mit vernünftiger Wahrscheinlichkeit validieren lässt, eine gewisse Marktresonanz, und sie sollten nicht in einen extrem gesättigten Markt eintreten.
Gründer, die am Pitch-Tag zusammenbrechen
Martin Brath: Hast du Fälle erlebt, in denen jemand ein gutes Produkt hatte, aber am Pitch-Tag vor Investoren völlig zusammenbrach, weil die nötigen Präsentationsfähigkeiten fehlten?
Peter Kolesár: Ja, solche Geschichten gibt es.
Eine, die ich oft erwähne, ist Paláček von Multiplex [Name und Unternehmen in der Quelle unklar]. Er kam 2016 als nervöser Wissenschaftler zum Bootcamp. Er war aufgebracht, weil der kürzeste Vortrag, den er jemals gehalten hatte, 45 Minuten gedauert hatte und er plötzlich sein gesamtes wissenschaftliches Wissen auf zwei Minuten – oder vier Minuten – verdichten sollte. [Die Quelle nennt beide Zeitspannen.] Für einen Wissenschaftler schien das unmöglich.
Aber er arbeitete während dieser drei Tage unglaublich hart, erreichte das Finale und gewann dann.
Es gibt viele solche Geschichten. Das sehe ich oft bei slowakischen Gründern: Es fällt ihnen schwer, die Geschichte ihres Produkts und ihre eigene Verbindung dazu zu erzählen.
Warum gerade sie? Warum dieses Produkt? Wie löst es ein Problem?
Sie verlieben sich in das Produkt. Sie können seine technischen Eigenschaften im Detail erklären, tun sich aber schwer damit, es in den größeren Zusammenhang von Markt, Wettbewerbern und einer Vision einzuordnen.
Solche Gründer haben wir bei jedem Bootcamp. Nach dem, was ich gesehen habe, werden wir dieses Jahr Gründer mit hervorragenden Produkten haben, denen die Präsentation schwerfallen wird. Aber daran arbeiten wir ebenfalls mit ihnen.
Wir veranstalten einen Pitching-Workshop. Sie arbeiten und üben die ganze Nacht von Samstag auf Sonntag und präsentieren dann am Sonntag im Tuli Cinema in x-bionic, was bereits eine riesige Bühne ist.
Manche brechen zusammen, andere nicht, aber wir versuchen, sie umfassend zu beurteilen. Es ist kein Schönheitswettbewerb, bei dem automatisch die beste Präsentation gewinnt. Wir betrachten das Produkt, den Markt und das Potenzial als Ganzes.
Beim Bootcamp bewerten alle Mentoren die Teilnehmer. Mehr als 40 Mentoren haben Bewertungsbögen, machen sich Notizen und bewerten jedes Startup. Anschließend addieren wir die Ergebnisse und diskutieren, wer ins Finale kommt.
Ich kann mir keine objektivere Art der Entscheidung vorstellen. Das sind Menschen, die drei intensive Tage mit den Gründern verbracht haben und sie extrem gut kennen.
Diejenigen, die das Finale nicht erreichten
Martin Brath: Ich frage nicht nach Startups, die ins Finale kamen und dann scheiterten. Mich interessieren eher diejenigen, die das Finale oder sogar das Halbfinale nicht erreichten, dann aber durchstarteten – im positiven Sinne.
Gibt es Geschichten, bei denen du gedacht hast: „Okay, das habe ich übersehen. Diese Leute haben sich als richtig gut erwiesen“?
Peter Kolesár: Auf jeden Fall.
Zuerst möchte ich Startups erwähnen, die das Finale erreichten, nicht gewannen und dann durchstarteten. Andrej Pánčík mit Prizeo gewann nicht. Ich glaube, sogar einige Juroren waren skeptisch, und dann kam ein großer Exit.
Wir hatten 2015, wenn ich mich richtig erinnere, eine extrem starke Kategorie Wissenschaft: Photoneo, Blue Vision Labs und Capturing Reality.
Natürlich konnte nur eines gewinnen, aber alle drei sind wunderbare slowakische Erfolgsgeschichten: Photoneo wurde an Zebra verkauft, Blue Vision Labs an Lyft und Capturing Reality an Epic Games.
Slido zum Beispiel gewann die Startup Awards weder 2013 noch 2014, nicht einmal in der eigenen Kategorie. Aber Peter Komorník und das ganze Team schrieben eine großartige Geschichte und schafften schließlich einen Exit.
Man kann nicht alles vorhersagen. Viele Startups kamen vom Bootcamp nicht ins Finale, weil man selbst mit einer vielfältigen Gruppe von Juroren und Mentoren in drei Tagen nicht alles erfassen kann.
Jemand verpasst vielleicht knapp das Finale, weil wir verschiedene Faktoren berücksichtigen, und startet später durch.
Whalebone ist ein gutes Beispiel. Richard Malovič, den ich erwähnt habe, erreichte das Finale nicht, aber das Unternehmen startete durch.
Er ist dankbar und gibt der Community etwas zurück. Er kommt sehr gerne als Mentor und ist wirklich einer der besten Mentoren des Bootcamps.
Er sagt noch immer, es störe ihn nicht, das Finale nicht erreicht zu haben, weil es sein Leben trotzdem verändert hat.
Das sagen wir nicht bloß, um Menschen zu trösten, die nicht weiterkommen. Das Finale zu erreichen ist wirklich nicht das Wichtigste.
Ja, im wunderschönen historischen Theater von Košice und im Fernsehen zu sein, ist ein zusätzlicher Bonus. Aber mit der Teilnahme am Bootcamp haben sie bereits gewonnen.
Sollte das Bootcamp wachsen?
Martin Brath: Wäre es dann nicht sinnvoller, das Silicon Valley beiseitezulassen und das Bootcamp zu vergrößern, damit mehr Menschen teilnehmen können?
Peter Kolesár: Darüber kann man diskutieren, aber ich finde, dass 50 Menschen aus 25 Unternehmen bereits viel sind. Es liegt an der Grenze dessen, was wir innerhalb eines vorgegebenen Raums und Zeitrahmens bewältigen können, während wir weiterhin Mehrwert bieten.
Tatsächlich sind über die verschiedenen Gruppen hinweg etwa 100 bis 120 Menschen beim Bootcamp.
Martin Brath: Und Kinder.
Peter Kolesár: Und einige Kinder, genau.
Deshalb glaube ich nicht, dass es viel Spielraum für eine Vergrößerung gibt. Aber wir überlegen durchaus, wie wir Startups das ganze Jahr über helfen können.
Noch einmal: Wir wollen nicht, dass SASK nur eine Veranstaltung ist. Wir wollen eine hilfreiche, unterstützende Plattform sein.
Dieses Jahr haben wir erstmals die Bewerbungen im Juni geöffnet und den Bewerbern Workshops angeboten, um ihnen zumindest bei ihren Pitch-Decks und den Geschichten zu helfen, die sie über sich erzählen.
Wir haben zwei Workshops mit Andrej Dúl [Name in der Quelle unsicher] durchgeführt, der das hervorragend macht. Allein das half vielen Startups. Es war unsere erste Möglichkeit, sie zu unterstützen.
Einige kamen ins Bootcamp, und einige werden später das Finale erreichen. Aber wir erweitern ständig den Trichter der Menschen, denen wir zumindest etwas Austausch oder Hilfe anbieten können.
Nächstes Jahr überlegen wir, wie wir diesen Trichter weiter öffnen können, vielleicht indem wir auch im Frühjahr etwas Wertvolles für Unternehmen anbieten.
Unser Hauptgedanke ist, ihn so weit wie möglich zu öffnen und in jeder Phase Unterstützung zu bieten. Natürlich wird die Hilfe, die wir geben können, umso intensiver, je weiter man im Trichter vorankommt.
Aber die Slowakei hat tatsächlich ein Problem mit einem engen Trichter. Das ist unsere Herausforderung, und wir müssen ihn erweitern.
Nicht das Geld: Geschichtenerzählen und eine globale Perspektive
Martin Brath: Was siehst du als größtes Problem slowakischer Startups: fehlendes Geld, Know-how, Kontakte oder vielleicht die globale Denkweise, die ihr durch das Silicon Valley entwickeln wollt?
Peter Kolesár: Wir haben vor Kurzem gemeinsam mit Slovenská sporiteľňa eine Umfrage zum Startup-Ökosystem durchgeführt und Startups und Investoren gefragt, was sie als die größten Probleme ansehen.
Die Startups nannten fehlendes Kapital. Die Investoren nannten einen Mangel an investierbaren Startups.
Ich glaube, in bestimmten Bereichen mag es eine Finanzierungslücke geben, aber generell ist mangelnde Finanzierung nicht das größte Problem slowakischer Startups.
Zu bestimmten Zeiten haben Fonds ihre Investitionen vielleicht abgeschlossen, und es ist weniger Geld verfügbar. Aber gute Gründer werden eine Finanzierung finden. Auf jeden Fall. Die Finanzierung ist also nicht das Hauptproblem.
Ich würde zwei Dinge hervorheben.
Das erste habe ich bereits angesprochen: wie Gründer die Geschichte ihres Produkts erzählen, wie ihre bisherigen Erfahrungen ihnen die Glaubwürdigkeit geben, es zu entwickeln, und wie sie das mit dem Markt verknüpfen.
Es reicht nicht, nur über das Produkt zu sprechen. Man muss erklären, was es im Markt bedeutet, welches Problem es löst, was die Vision ist und wohin man es führen möchte, gestützt auf Daten und Belege.
Das ist wahrscheinlich der schwächste Bereich slowakischer Gründer: unterschiedlichen Zuhörern und Zielgruppen Dinge klar und verständlich zu erklären.
Damit hatten wir auch im Silicon Valley noch Schwierigkeiten. Obwohl wir die Gewinner und hervorragende Unternehmen mitgebracht hatten, zeigte ein Treffen nach dem anderen, dass selbst Spitzen-VCs nicht verstanden, was sie machten.
Selbst am Freitag sagten wir ihnen noch: „Ihr müsst es wirklich in 30 Sekunden erklären, damit der andere Fragen stellen möchte. Wenn er keine Fragen stellt, habt ihr es nicht gut vermittelt.“
Und diese Gründer hatten bereits das Bootcamp, das Finale der Startup Awards, die Vorbereitung auf das Finale und dann das Silicon Valley durchlaufen. Es ist ein ständiger Kampf.
Ich könnte noch vieles andere nennen, aber das sind die beiden Grundlagen. Erstens das Geschichtenerzählen und die Fähigkeit, sich selbst zu verkaufen. Übrigens sagten auch die Startups in dieser Umfrage, dass die Fähigkeit, sich selbst zu verkaufen, zu ihren größten Einschränkungen gehört.
Zweitens eine globale Perspektive: um die Ecke denken zu können und die eigene Idee von Anfang an in anderen Märkten zu testen, statt nur im Freundeskreis.
Den Startup Awards verbunden bleiben
Martin Brath: Bleibst du den Startup Awards erhalten, wenn du Civitta verlässt? Wie sieht das für dich jetzt aus?
Peter Kolesár: Mein Ziel ist, dass die Startup Awards weitergehen, deshalb werde ich mich in dem Umfang weiter einbringen, der nötig ist.
Aber unser Ziel, sowohl bei den Startup Awards als auch für die Community insgesamt, ist es, die Community zu erweitern. Ich würde mich freuen, wenn mehr Menschen zum Organisationsteam kämen.
Ich möchte weiterhin helfen, weil ich es in vielerlei Hinsicht als etwas grundlegend Veränderndes für die Community sehe, als eine Art Gravitationskraft.
Ich möchte alles tun, was ich kann, damit es weitergeht, damit es wächst, damit die herausragenden Unternehmen der Slowakei bekannter werden und junge Menschen zum Unternehmertum motiviert werden. Was immer ich dafür tun kann, werde ich tun.
Rat an sein 25-jähriges Ich
Martin Brath: Eine letzte Frage. Wenn du zurückgehen und deinem 25-jährigen Ich einen Rat geben könntest, was würdest du sagen?
Peter Kolesár: Hab keine Angst. Sei hungriger und ehrgeiziger.
Wenn ich noch einmal 25 wäre, würde ich auf jeden Fall versuchen, an Spitzenuniversitäten im Ausland zu studieren. Ich habe zwar nicht nur in Brünn studiert, sondern auch in New York und an der CEU in Budapest. Aber ich weiß bis heute nicht, warum ich mich nicht an Universitäten in Großbritannien oder Amerika beworben habe.
Ich habe das Gefühl, dass unsere Generation – oder zumindest ich damals – ängstlicher war und zu wenig Selbstvertrauen hatte.
Ich würde mir sagen, keine Angst zu haben. Wenn es nicht klappt, passiert nichts Schlimmes. Bereuen wirst du nur das, was du nicht versucht hast.
Das klingt wie ein Klischee, aber wenn ich es mit den Augen meines 25-jährigen Ichs betrachte, würde ich mich ermutigen, mutiger zu sein.
Martin Brath: Großartig. Peter, vielen Dank für das Gespräch.
Peter Kolesár: Vielen Dank für die Einladung, Martin.
